Ein Schlaganfall verändert das Leben von einem Moment auf den anderen, für die Betroffenen und für die ganze Familie. Viele Menschen möchten nach Klinik und Reha zurück in ihre vertraute Umgebung. Das gelingt häufig, wenn die Versorgung zu Hause gut vorbereitet ist.
In diesem Beitrag erfahren Sie, woran Sie einen Schlaganfall erkennen, was nach dem Krankenhaus zu tun ist und wie eine Betreuung zu Hause den Alltag erleichtert.
Das Wichtigste in Kürze
- Bei Verdacht auf einen Schlaganfall sofort 112 wählen. Jede Minute zählt.
- Schon im Krankenhaus mit dem Sozialdienst die Reha und die Entlassung planen.
- Pflegegrad frühzeitig beantragen, Leistungen gibt es ab dem Monat der Antragstellung.
- Wohnung anpassen: Stolperfallen beseitigen und Hilfsmittel besorgen.
- Therapien fortsetzen und Übungen in den Alltag einbauen.
- Angehörige entlasten, bevor die eigenen Kräfte aufgebraucht sind.
Warnzeichen erkennen: der FAST-Test
Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall. Typische Anzeichen lassen sich mit dem FAST-Test in wenigen Sekunden prüfen:
- F wie Face (Gesicht): Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel herab?
- A wie Arms (Arme): Beide Arme nach vorne strecken, die Handflächen nach oben. Sinkt ein Arm ab?
- S wie Speech (Sprache): Einen einfachen Satz nachsprechen lassen. Ist die Sprache verwaschen oder unverständlich?
- T wie Time (Zeit): Schon bei einem dieser Anzeichen sofort den Notruf 112 wählen und sich die Uhrzeit merken, zu der die Beschwerden begonnen haben.
Auch plötzliche Sehstörungen, starker Schwindel oder ungewohnt heftige Kopfschmerzen können auf einen Schlaganfall hinweisen. Verschwinden die Beschwerden nach kurzer Zeit wieder, holen Sie trotzdem sofort ärztliche Hilfe. Solche Warnzeichen können einem schweren Schlaganfall vorausgehen.
Nach dem Krankenhaus: Reha und Entlassung vorbereiten
Auf die Behandlung im Krankenhaus folgt meist eine Rehabilitation. Mit Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie lernen Betroffene dort, verlorene Fähigkeiten so weit wie möglich zurückzugewinnen. Der Sozialdienst des Krankenhauses hilft beim Antrag und plant mit Ihnen die Zeit danach.
Klären Sie möglichst früh: Kann Ihr Angehöriger in seine Wohnung zurück? Welche Hilfe braucht er am Tag und in der Nacht? Wer aus der Familie übernimmt welche Aufgaben, und wo wird Unterstützung von außen gebraucht?
Pflegegrad beantragen
Bleiben nach dem Schlaganfall Einschränkungen zurück, sollten Sie bei der Pflegekasse einen Pflegegrad beantragen. Ein formloser Antrag genügt, auch telefonisch. Leistungen gibt es ab dem Monat der Antragstellung. Anschließend begutachtet der Medizinische Dienst, wie viel Unterstützung nötig ist. Wie Sie dabei vorgehen, erklärt unser Beitrag Plötzlich Pflegefall: was nun?.
Die Wohnung sicher machen
- Stolperfallen wie lose Teppiche und Kabel entfernen
- Haltegriffe im Bad, Duschhocker und erhöhter Toilettensitz
- gute Beleuchtung, auch nachts auf dem Weg zur Toilette
- Pflegebett, Rollator oder Rollstuhl nach ärztlicher Verordnung
- bei Treppen im Haus einen Treppenlift prüfen
Für Umbauten, die die Pflege zu Hause erleichtern, zahlt die Pflegekasse bei vorhandenem Pflegegrad einen Zuschuss zur Wohnraumanpassung. Hilfsmittel wie Rollator oder Pflegebett übernehmen häufig Kranken- oder Pflegekasse. Fragen Sie am besten vor dem Kauf nach. Tipps für das Bad finden Sie in unserem Beitrag Seniorengerechte Badezimmer.
Therapie im Alltag fortsetzen
Nach der Reha geht die Arbeit weiter. Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie können ärztlich verordnet und ambulant oder als Hausbesuch fortgesetzt werden. Genauso wichtig ist der Alltag selbst: Wer Handgriffe so oft wie möglich selbst ausführt, trainiert mit. Das braucht Geduld, denn Fortschritte kommen oft in kleinen Schritten.
Achten Sie auch auf die Stimmung. Niedergeschlagenheit und Rückzug sind nach einem Schlaganfall häufig. Sprechen Sie das beim Arzt an, denn eine Depression lässt sich behandeln. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Depressionen im Alter.
Wie eine 24-Stunden-Betreuung unterstützt
Viele Betroffene brauchen nach einem Schlaganfall Hilfe zu ganz unterschiedlichen Tageszeiten, oft auch nachts. Eine Betreuungskraft, die mit im Haushalt lebt, kann hier viel auffangen:
- Hilfe bei der Grundpflege, also beim Waschen, Anziehen und bei der Toilette
- Begleitung beim Aufstehen und Gehen, damit Stürze vermieden werden
- Unterstützung bei den Übungen, die die Therapeuten für den Alltag empfehlen
- Einkaufen, Kochen und Haushalt
- Gespräche, Gesellschaft und Begleitung zu Arztterminen
- Erinnerung an die Einnahme der Medikamente
Medizinische Aufgaben wie Spritzen, Wundversorgung oder das Stellen der Medikamente gehören zur Behandlungspflege. Sie übernimmt ein ambulanter Pflegedienst. Betreuungskraft und Pflegedienst lassen sich gut kombinieren.
Wichtig ist, dass die Betreuungskraft zur Situation passt. Braucht Ihr Angehöriger viel Hilfe beim Umsetzen, oder ist die Sprache beeinträchtigt, sollte das bei der Auswahl berücksichtigt werden. Darauf achten wir bei der Vermittlung von Anfang an.
Angehörige entlasten
Die Pflege nach einem Schlaganfall ist eine große Aufgabe. Nehmen Sie Hilfe an, bevor die eigenen Kräfte aufgebraucht sind. Die Pflegekasse unterstützt Sie zum Beispiel mit Verhinderungspflege, wenn Sie selbst eine Pause brauchen. Anzeichen für eine Überlastung beschreibt unser Beitrag Überforderung in der Pflege.
Checkliste für die Zeit nach der Klinik
- Reha und Entlassung mit dem Sozialdienst besprechen
- Pflegegrad bei der Pflegekasse beantragen
- Hausarzt und Therapien für die Zeit danach organisieren
- Wohnung sicher machen und Hilfsmittel beantragen
- Versorgung für Tag und Nacht planen
- Notfallnummern und Medikamentenplan gut sichtbar hinterlegen
- Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung prüfen
Wir helfen Ihnen weiter
Sie möchten, dass Ihr Angehöriger nach dem Schlaganfall wieder zu Hause leben kann? Wir beraten Sie kostenlos und unverbindlich, persönlich durch die Inhaberin Irene Stuber, täglich von 9 bis 20 Uhr unter 089 – 88 949 134. Oder Sie nutzen unsere Anfrage in 2 Minuten.
Hinweis: Dieser Beitrag bietet einen allgemeinen Überblick und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall wählen Sie immer sofort den Notruf 112.

